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Högersdorf, der 07.04.2017 um 12:53 Uhr
Trave soll nach Umbau schneller fließen

Segeberger Zeitung, 7.9.16
Millionen-Programm wird gestartet, um den Fluss wieder naturnaher herzurichten

Von Gerrit Sponholz

Kreis Segeberg. Mehr Tempo soll in den Flusslauf der Trave kommen, sie soll durchlässiger für Fische werden und zum Teil das alte Flussbett zurückerhalten. Die Trave-Gewässerpflegeverbände planen deshalb große Umbauten. Das Argument dafür: Insgesamt werde der ökologische Zustand der Trave verbessert und Überschwemmungen des Umlands vorgebeugt. Außerdem fordern EU-Vorschriften einen besseren Gewässerschutz.

So soll zwischen Bad Segeberg und 800 Meter nördlich der Schackendorfer Brücke auf dreieinhalb Kilometer die Trave „eigendynamisch entwickelt“ werden. Travebögen können ausgeweitet, das Flussbecken schmaler geschnitten und Geröllzonen eingebaut werden, um Verwirbelungen zu schaffen, die den Sandabtrag erhöhen, sagt Elke Hesse, Mitarbeiterin des Amtes Trave-Land. Sie führt die Amtsgeschäfte des Gewässerpflegeverbands Am Oberlauf der Trave, der Vereinigung der Grundstücksanlieger. „Die Trave soll dynamischer fließen“, erklärt sie. Der Fluss ist das Hauptabflussgewässer für den Nordosten des Kreises Segeberg mit rund 405 Quadratkilometern Einzugsfläche. Doch er hat seine Aufnahmegrenzen. Nach heftigen Regenfällen oder nach Tauwetter tritt die Trave über die Ufer, sind Flächen bei Westerrade und Pronstorf überflutet. Die Trave kann die Wassermassen nicht schnell genug Richtung Ostsee abführen, weil sie zu langsam fließt. Wegen der Sandablagerungen, und weil das Gefälle zu gering ist. Außerdem verpflichten mehrere EU-Regeln die Flusspfleger dazu, unter Schutz stehende Gewässer wie die Trave naturnah zu entwickeln.

Wenn das Wasser schneller fließt, können auch weniger Kräuter ansetzen, sagt Detlef Rohweder aus Krems II, Vorsteher des Gewässerpflegeverbands Am Oberlauf der Trave. Das sei für die Natur besser. Und die Anrainer müssten weniger Geld ausgeben, um den Wasserlauf von den Kräutern zu befreien. Eine Machbarkeitsstudie empfiehlt den Pflegeverbänden weitere Maßnahmen. „Die haben ein Millionen-Volumen. Umzusetzen ist das nur mit Förderung“, sagt Hesse.

So auch bei einem ersten Bauabschnitt bei Bad Segeberg und Schackendorf. Die Planungen und Genehmigungsverfahren laufen. Die Kosten dürften über 100 000 Euro liegen, schätzt Hesse. Frühestens 2017 werde umgebaut, erklärt er. Weitere Maßnahme könnte sein, der einst begradigten Trave wieder ihr altes, mit vielen Schleifen versehenes Flussbett zu öffnen, sagt Rohweder. „Manche Altläufe sind noch zu erkennen.“

Das Wohl der Trave hat auch Managementplanerin Dr. Wiebke Sach im Auge. Sie arbeitet für den Deutschen Verband für Landschaftspflege, der dem Land hilft, EU-Schutzgebiete wie das Travetal zu erhalten und zu verbessern. So soll die Trave bei Bad Segeberg etwa durch Gehölze am Ufer und den Einbau von Kies und Holzstubben ihren alten Zustand zurückerhalten, was wiederum Wirbellosen einen Lebensraum ermöglicht.

Auch im südlichen Verlauf der Trave soll gebaut werden. Der Gewässerunterhaltungsverband Trave will bei Wakendorf I und Sühlen einen Absturz durch eine Sohlgleite ersetzen. Das Genehmigungsverfahren beim Kreis läuft. „Dann könnten Fische wieder besser flussaufwärts schwimmen“, erklärt Verbandsvorsteher Gustav Stoffers aus Elmenhorst.

Der mittlere Teil der Segeberger Trave bei Herrenmühle wird ebenfalls angepackt. Aber dort wird erst der Bau einer neuen Brücke durch den Kreis Segeberg abgewartet. Der Kreis ist noch mit der Planung beschäftigt. So soll eine Untersuchung klären, ob und wie sich eine neue Brücke mit dem Status als FFH-(Fauna-Flora-Habitat-)Schutzgebiet verträgt. Die alte Brücke soll später abgerissen werden.


Die Trave ist der wichtigste Entwässerungslauf für den Nordosten des Kreises Segeberg und das drittgrößte Flusssystem Schleswig-Holsteins. Das Einzugsgebiet reicht bis zum Plöner See, Tensfeld, Stockelsdorf und Mözen. Die Trave entspringt in Ostholstein. Wegen der Bedeutung hat die EU das 60 Kilometer Travetal vom Wardersee bis Lübeck unter den Schutz von Flora-Fauna-Habitat (FFH) gestellt.

Außerdem ist die Trave Teil des Natura-2000-Schutzsystems. Der Zustand des Travegebietes darf sich nicht verschlechtern. Die Bundesländer müssen Erhaltungsmaßnahmen festlegen. Das geschieht durch Managementpläne. In erster Linie kümmern sich die lokalen Bodenverbände mit den Grundeigentümern und Kommunen um die Trave.

Um 1930 war die Trave ausgebaut worden. Das kam der Landwirtschaft und Schifffahrt entgegen. Bis zum Wardersee gilt sie „in ihrer Struktur erheblich gestört“. Zum Gewässernetz der Trave gehören der Wardersee, Großer Segeberger See, Mözener See und Neversdorfer See.


Autor: S. Bölke 12.9.16