Bild: Alternating Items

Rundgang durch das alte Segeberg

MarktplatzSE

Ein Blick auf den Bad Segeberger Marktplatz im Jahr 1952

Heimatforscher Peter Zastrow gibt ein Buch mitgesammelten Geschichten und historischen Fotos heraus
Segeberger Zeitung, 20.6.17
Von Andrea Hartmann

Bad Segeberg. Für historisch Interessierte ist das Buch „Segeberger Rückblicke“ informativ – für alle, die für alte Aufnahmen und Geschichten der Stadt schwärmen, ist es ein Fest. „Historisches, Geschichten und Histörchen“ ist das 128 Seiten starke Buch von Heimatforscher Peter Zastrow untertitelt, und der geneigte Leser findet in der Tat viele schöne Geschichten. Und wer schon lange die Segeberger Zeitung liest, erkennt vielleicht manche davon wieder.

Denn Zastrow, der für die SZ unter anderem die Serie „Vor 50 Jahren“ liefert, hatte 1997 etliche Beiträge für die zu jener Zeit laufende Serie „Damals in Segeberg“ geschrieben. „Immer neue Geschichten, Themen und Dinge tauchten auf, die bis dahin weder beschrieben noch veröffentlicht waren“, berichtet Zastrow. Mit großer Freude machte er sich an die Arbeit, und als 1999 die Serie endete, „hatte ich trotz der 24 gelieferten Beiträge immer noch Themen parat.“ Und so veröffentlichte die SZ weiterhin Geschichten, und um sie leicht zugänglich für jedermann zu machen, fasste Zastrow sie für das neue Buch zusammen – mit dem Vorteil, sie in längerer Form zu erzählen, als das in einer Tageszeitung möglich ist. 34 von 150 Geschichten hat Zastrow ausgewählt. Bilder dazu lieferte auch Hans-Werner Baurycza, mit dem Zastrow seit gut zehn Jahren zusammenarbeitet.

Die anschaulich und detailreich erzählten Geschichten lesen sich wie ein Stadtrundgang. Beginnend mit „Segebergs bester Adresse“, dem Kurhaus, folgt der Leser Zastrow zu Gebäuden rund um den Marktplatz mit Abstecher in die Oldesloer Straße, über Schweinemarkt, Kurhausstraße und Hamburger Straße.

Neben Luftbildern, Stadtansichten aus mehreren Zeiten und imposanten Aufnahmen von großen Gebäuden besticht auch die Liebe zum Detail. So etwa in der Geschichte des alten Kurhaussaals, in dem viele große Feiern stattfanden. Direktor war in den 1960er-Jahren Roland Kaiser, nicht zu verwechseln mit dem bekannten Schlagersänger. Er empfing viele Gäste und ließ sich gern etwas Besonderes einfallen: So regnete es zum Silvesterball 1962 Luftballons von der Decke, und der Direktor ließ drei Ferkel als kleine Glücksbringer durch den Saal laufen. Die Speisekarte war kunstvoll in Form eines Fächers gestaltet; ob jeder die „Känguruschwanzsuppe“ mochte, lässt sich nicht mehr ermitteln, aber besonders war sie allemal.

Manche Geschichten haben aktuelle Bezüge. So widmet Zastrow der alten Sparkasse an der Oldesloer Straße ein ganzes Kapitel: Gerade wird das Haus, in dem die Stadtbücherei untergebracht ist, zum „Wort-Ort“ umgewidmet und somit digitalen Zeiten angepasst. Die „Bürgerschule am Seminarweg“, heute Gemeinschaftsschule, litt schon damals unter Platzmangel – nun hat sie einen Anbau.

Die Kurhausstraße heißt immer noch so, obwohl das Kurhaus schon seit mehr als 40 Jahren nicht mehr steht. Vor 1929 hieß sie Kieler Straße und wurde lange von wunderschönen Lindenbäumen gesäumt. Eine Schildbürgergeschichte sorgt für Schmunzeln: So wollten die Stadtvertreter 1906 die Straße mit neuen Steinen pflastern – rechtzeitig zum Sängerfest des schleswig-holsteinischen Sängerbunds. Das alte Pflaster wurde aufgerissen, doch die Steine kamen nicht, und so musste sich der Umzug vom Marktplatz zur Vogelwiese durch tiefen Sand quälen – und in der SZ erschien prompt ein Spottgedicht.

Auch werden schöne Erinnerungen wach angesichts einst schöner Häuser wie der Gasthof Stahwedder an der Hamburger Straße, der nicht immer so verwahrlost aussah wie in den Jahren vor seinem Abriss 2015, oder beim Lesen der Geschichte des Fruchthauses Hofeldt in der Kurhausstraße, wo heute „Stoff und mehr“ seinen Sitz hat.
Gemeinde Högersdorf ©2017