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Noctalis hilft bei Fledermaus-Untersuchungen zur A20-Trasse

Kreisbehörden halten neuen Landeserlass für wirklichkeitsfremd - Kritik auch wegen Unfällen an A20-Wildbrücke
Segeberger Zeitung | 06. Februar 2014

Bad Segeberg.
Sehnlich wird von vielen Bad Segebergern der Weiterbau der A20 erwartet. Weil aber das Bundesverwaltungsgericht die sogenannte kleine Südumgehung wegen mangelhafter Untersuchungen zum Fledermausschutz gestoppt hat, muss nun nachgearbeitet werden. Daran wird sich das Fledermauszentrum Noctalis beteiligen. Dafür gab die Stadtvertretung in ihrer jüngsten Sitzung grünes Licht.

Vor acht Jahren hatte ein Gutachter das Flugverhalten der Fledermäuse nicht genau genug untersucht. Noctalis-Chef Florian Gloza-Rausch hatte damals vor diesen fachlichen Mängeln gewarnt, war aber ignoriert worden. Jetzt soll derselbe Gutachter erneut ran - und er sieht sich laut Bürgermeister Dieter Schönfeld nicht in der Lage, das rund 5000 Hektar große Betrachtungsgebiet allein zu untersuchen. Daher sollen die Noctalis-Experten bei der Kartierung mithelfen.

„Während des Planverfahrens zur A20 sind die wissenschaftlichen Standards verschärft worden“, erläuterte Schönfeld. Jetzt soll ganz genau festgestellt werden, an welchen Stellen sich die Flugrouten der Fledermäuse mit der geplanten Autobahntrasse kreuzen. Notfalls soll an diesen Stellen nachts eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 60 Stundenkilometern eingerichtet werden, um die Fledermäuse nicht zu gefährden.

Für die Untersuchung muss das Noctalis jedoch 13 Spezialgeräte (so genannte „Batlogger“) für 50000 Euro zum Lokalisieren der Tiere anschaffen. Dieses Geld gab die Stadtvertretung nun frei - unter der Voraussetzung, dass das Noctalis in den kommenden Tagen einen entsprechenden Auftrag vom Land Schleswig-Holstein bekommt. Werden die Experten wider Erwarten nicht eingesetzt, müssen auch die Gerätschaften nicht gekauft werden. Dieser Punkt animierte einige Stadtvertreter zu wiederholten Nachfragen.

Für das Noctalis könnte die Sache laut Schönfeld sogar ein gutes Geschäft werden. Eventuell machen Gloza-Rausch und seine Kollegen einen kleinen Gewinn - und haben am Ende die auch für andere Untersuchungen nützlichen „Batlogger“ quasi auf Landeskosten angeschafft.

Eile war in der Stadtvertretung geboten, weil die Fledermäuse nach Auskunft der Fachleute in jedem Jahr zwischen dem 20. Februar und dem 1. März aus ihrem Winterquartier in der Kalkberghöhle ausschwärmen - je nach Witterung. Da diesmal das Flugverhalten während des gesamten Jahres untersucht werden soll, muss die Kartierung zu diesem Zeitpunkt beginnen - oder sie würde auf 2015 verschoben. „Dann würden wir mit dem A20-Bau ein ganzes Jahr verlieren“, warnte Schönfeld. „Das kann doch niemand hier am Tisch wollen.“

Die große Mehrheit der 29 anwesenden Stadtvertreter stimmte der Ausgabe zu: Es gab 24 Ja-Stimmen. Vier Kommunalpolitiker stimmten dagegen, einer enthielt sich. stm
A20 Fledermaus
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