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Belange der Region spielen beim A20-Bau nur eine Nebenrolle

Der Bürgermeister von Klein Gladebrügge wehrt sich für seine Gemeinde und auch als Naturschützer gegen die Südumgehung. Er favorisiert die Autobahn als Tunnel durch Bad Segeberg und stützte sich auf ein Gutachten, das Wulf Hahn (Marburg) vortrug.
Segeberger Zeitung, 02.07.2010

Die Stadt würde durch eine Südumgehung kaum entlastet, sagte Hahn vor rund 40 Zuhörern und Planern. Der Verkehr in Bad Segeberg bleibe dicht, Lärm und Schadstoffausstoß lägen weiterhin über Grenzwerten. „Da besteht schon jetzt akuter Sanierungsbedarf.“ Gleichzeitig würden Dörfer und das EU-geschützte Travetal durch eine Südumgehung neu belastet.

Die bessere Alternative sei die Autobahn als Tunnel durch die Stadt. Sie käme ohne weitere Travequerung aus, Süd- und Nordstadt könnten zusammenwachsen, Lärm und Abgase entzogen werden. Hahn bedauerte, dass manche Planunterlagen des Landes zwölf Jahre alt seien. Sein schwerster Vorwurf war aber ein anderer: Die Planer hätten die Stadttrasse als Alternative zur Südumgehung nicht ausreichend geprüft. Gutachter des Landes und Ludger Horstkamp vom Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr aus Lübeck widersprachen. Als Stadtautobahn auf der jetzigen B206 müsstedie A20 bei der Trave im rechten Winkel abknicken. Das sei „nicht autobahnwürdig“. Außerdem hätten Bad Segebergs Zufahrtstraßen bei einem Tunnel nur noch zwei statt der bislang sechs Anknüpfungspunkte an die Trasse. Deshalb und wegen weiterer Argumente sei die Stadtvariante frühzeitig verworfen worden. Das brachte nun wiederum Hahn in Fahrt. Zu diesem Ergebnis sei das Land nur gekommen, weil es einen falschen Radius für die Trasse zu Grunde gelegt habe. Die Planer machten mehrfach deutlich, dass es nicht darum gehe, mit einer A20 die Verkehrsprobleme Bad Segebergs zu lösen oder gute Anbindungen für die viel frequentierte Firma Möbel Kraft zu schaffen. Es handele sich vielmehr um eine europäische Ost-West-Verbindung von Polen bis in die Niederlande; da sei eine kurvige Stadtautobahn mit starkem Tempolimit ein Hindernis. Das sieht der Bund als Bauherr anders, hielt Dr. Wilhelm Mecklenburg als Anwalt des Naturschutzvereinigung BUND den Planern entgegen. Er zitierte aus dem Linienbestimmungsverfahren von 1999. Demnach sei eine Autobahn durch Bad Segeberg sehr wohl mit dem Ziel des A20-Baus vereinbar.

Wohl im Herbst dieses Jahres wird das Planfeststellungsverfahren von der Anhörungsbehörde des Landesbeendet. Das Verkehrsministerium setzt darauf, eine Baugenehmigung zu erhalten. Klein Gladebrügge und Naturschutzverbände hatten aber schon angekündigt, sie würden dagegen klagen. Ob der Bund trotzdem erst mal mit dem Bau der Autobahn beginnen dürfte, ist offen. Das Geld für den Abschnitt Weede-Wittenborn (153 Millionen Euro) hat er bereits zugesagt.

Von Gerrit Sponholz
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