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EU billigt Travequerung für A20

AutobahnueberTrave
Segeberger Zeitung, 01.07.2010
Der Name von EU-Umweltkommissar Janez Potocnik, einem Slowenen, prangt unter der Antwort auf die Sondergenehmigung, die im Juli 2009 beantragt worden war. Denn die 250 Meter lange Autobahnbrücke wird 19 Meter über der Trave eine 90 Meter breite Schneise schlagen. Aus den Bedenken macht der EU-Kommisar in seiner Stellungnahme keinen Hehl. Das Travetal stehe unter EUNaturschutz. „Es handelt sich um die naturbelassensten Teile des gesamten Travetals und gehört zum wichtigsten Biotopkomplex im Südosten von Schleswig-Holstein.“ Es seien Beeinträchtigungen zu erwarten. Nicht nur das Bauwerk sei ein Eingriff. Auch Luftverschmutzung durch den Verkehr und Stickstoffeinträge in die Natur seien zu erwarten. „Die Folgen sind Veränderungen des lokalen Mikroklimas.“ Außerdem würden Flugrouten von Fledermäusen geschnitten.

Andererseits bringt die EU auch Gegenargumente, wonach die Bundesrepublik aus Bauherrin die Eingriffe abmildern will. So würden drei Mal so große Ausgleichsflächen im Seitental der Trave und an der Süderbeste ausgewiesen. Es soll wenig Streusalz von der Brücke in die Trave gelangen. Die Tierwelt werde in der Bauzeit nur tagsüber gestört, denn nachts werde nicht gebaut. Gegen Kollisionen zwischen Fledermäusen und Autoverkehr würden vier Meter hohe Schutzwände errichtet und als neue Leitstrukturen Sträucher angepflanzt. Außerdem sollen die Brückenfundamente um Wasserzuläufe herum gebaut werden. Nach Einschätzung des EUKommissars hat Deutschland nachvollziehbar erläutert, dass es keine Alternative zur Trasse gebe. Eine weite Südumgehung träfe zwar das Travetal nicht so stark; „damit aber könnten die Projektziele für die A20 wie Verkehrssicherheit, Verkehrsentlastung, Anbindung abgelegener Regionen an zentrale Regionen der EU und der Anschluss an die A21 nicht erfüllt werden“.

Dass die A20 generell nötig sei, habe die EU-Kommission schon 1995 anerkannt. Von diesem Bescheid wussten die Bürger während der Anhörung nichts. Deshalb ging es eher um Details. So klagten Anlieger aus Schackendorf, Bad Segeberg und Klein Gladebrügge über zu wenig Lärmschutz. Die Landesplaner hielten dagegen. Alles stimme mit den Vorschriften überein. Außerdem gebe es viele freiwillige Maßnahmen etwa durch die Verwendung überschüssigen Bodens für Lärmschutzwälle. Manche Zuhörer sagten voraus, dass mehr Verkehr fließen werde als von den Planern erwartet. „Und dann haben wir nicht genug Lärmschutz“, kritisierte Jan Bunge aus Bad Segeberg. Erst wenn die Verkehrsprognosen um 100 Prozent übertroffen würden, müsse beim Lärmschutz nachgebessert werden, antworteten Behördenvertreter. Ihn dann allerdings einzuklagen, konterte daraufhin ein Anwalt unter den anwesenden Einwendern, dauere Jahrzehnte.

Von Gerrit Sponholz
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