Bild: Alternating Items

Super für Kinder

Kinder

Timo Rohlf (links) und Max Grönke spielen gerne auf dem kleinen Spielplatz im Dorfmittelpunkt. In der Nähe ein großes Baumhaus zu bauen ist ihr Wunschtraum. Fotos (2) bhg

Kinder1

Kinderfreundliches Högersdorf: Maike Teegen übt ein Theaterstück mit den Kleinen aus ihrem Heimatdorf ein. Foto bhg

Segeberger Zeitung | 7. Januar 2006
Kreis Segeberg - Neue Kinder braucht das Land - das gilt auch für den Kreis Segeberg. Was wird dem Nachwuchs geboten, wie sind die Orte auf ihn eingestellt? Das versuchte die Segeberger Zeitung herauszufinden. Unter den 26 kleinsten Dörfern im Kreis kristallisierte Högersdorf sich als kinderfreundlichste Gemeinde heraus.

Von Kathrin Bühring
In dem Ort vor den Toren Bad Segebergs gibt es zwar weder Sportverein noch große Anlagen, dafür einen Dorfmittelpunkt mit Fußballtoren und einen kleinen Spielplatz, direkt daneben ein kombiniertes Bürger- und Feuerwehrhaus, das auch Kindertreffpunkt und Jugendraum beherbergt. Die Jugendarbeit im Ort wird vom Kreisjugendring unterstützt. Zwei junge Leute leiten selbst Gruppen.

In der Gemeinde gibt es zwei Gaststätten sowie eine kleine Badestelle an der Trave, und der Bücherbus kommt.

Kindertagesstätten und Grundschule sowie Einkaufsmöglichkeiten und Ärzte sind in fünf Minuten in Bad Segeberg zu erreichen. Ein Radweg führt vom Ortsteil Rotenhahn und von Högersdorf nach Bad Segeberg, allerdings verbindet kein Radweg die beiden Ortsteile miteinander; er ist aber in Planung.

In Rotenhahn gibt es günstiges Bauland. 37 Euro kostet der teilerschlossene Quadratmeter für Familien, die dort wohnen und Kleingewerbe betreiben wollen.

Das ist dem neunjährigen Timo Rohlf noch ziemlich egal. Der Junge mit dem strubbeligem Haar und in Gummistiefeln fühlt sich sicher. Autos spielen in dem Sackgassendorf eine Nebenrolle, hinter dem Ortsschild von Högersdorf ist Tempo 30 angesagt. Am Spielplatz in der Dorfmitte vorm Bürgermeisterhaus trifft Timo sich mit Max Grönke, Marcel Dümmel (beide 10) und Ole Schumacher (8).

Etwas Schaukeln, Raufen und Bolzen, dann laufen die Jungen zur wenige Schritte entfernten Trave. Im knietiefen Wasser können die Lütten im Sommer auch baden und im Herbst Schiffchen schwimmen lassen, Fische und Frösche beobachten. Auf den Steinen im Wasser zu balancieren macht auch Michele Walther (11) und ihrer Schwester Mirjam (9) viel Freude.

Am Nachmittag wartet Maike Tegen (17) auf die kleinen Högersdorfer. Im Bürgerhaus betreut die junge Frau einmal pro Woche den Kindertreffpunkt für Kindergarten- und Grundschulkinder. Mal ist Kino angesagt, ein anderes Mal wird Pizza gebacken, einer Wasserbombenschlacht ausgefochten oder Verstecken gespielt. "Was wollt ihr denn das nächste Mal machen?" fragt Maike die über zwanzig kleinen Gäste. "Eine Schatzsuche, eine Schatzsuche!" schreien alle begeistert, als wäre es das erste Mal. Maike Teegen hat einen Jugendgruppenleiterschein (JuleiCa, siehe Artikel rechts) in der Jugendbildungsstätte Mühle in Bad Segeberg absolviert. Ihn finanzierte - bis auf einen kleinen Eigenanteil - die Gemeinde.

Auch Annika Last (17) ließ sich ausbilden und ist jetzt für eine Jugendgruppe zuständig. Sie hat im Bürgerhaus einen Raum als Treffpunkt eingerichtet, Unterstützung gibt der Mitarbeiter des Kreisjugendrings, Diplompädagoge Tobias Brinckmann (28) aus Eutin, im Rahmen der "Jugendarbeit auf dem Lande".

Verbesserungsvorschläge haben die Lütten natürlich, auch wenn sie auf ihr Högersdorf nichts kommen lassen. "Wir wollen auf einer Koppel eine Baumhöhle bauen dürfen", forderte Timo Rohlf. In der Trave angeln möchte Ole Schumacher. "Der Spielplatz ist gut, aber wir brauchen neue Netze für die Fußballtore", sagt Marcel Dümmel selbstbewusst.

Für viele Kontakte unter den Generationen sorgt der Vogelschießverein unter dem Vorsitz von Andrea Pasberg. Vogelschießen, Fasching und Bowling, Kanutour, Zelten für Eltern und Kinder in Wittenborn und das Weihnachtsbasteln gehören zum Angebot.

"Für Kinder ist es hier wirklich super", fasst Maike Teegen zusammen. "Wenn ich studiere, werde ich wohl weggehen müssen. Vielleicht komme ich, wenn ich Kinder habe, wieder zurück. Wer weiß?"

"Kinder und Jugendliche sind das Allerwichtigste, stehen an allererster Stelle. Wir müssen überall, wo wir nur können, finanzielle Mittel für weitere Rad- und Gehwege und Jugendarbeit aufbringen." Högersdorfer Bürgermeister Arnold Wilken, drei Kinder, vier Enkelkinder.
Gemeinde Högersdorf ©2017