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A20 - Ökologisch sensibles Travetal soll schonend überbrückt werden

Lübecker Nachrichten | 2. Dezember 2005

Bad Segeberg - Von Högersdorf aus gesehen, wird die Travebrücke das optisch dominierende Bauwerk Bad Segebergs werden. Die Naturbereiche am Osthang des Travetals sollen möglichst geschont werden.
Ein wenig wundern sich die Planer vom Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr schon, dass in Bad Segeberg nicht die A-20-Trasse mit ihren imposanten und teuren Brückenbauwerken bei der Kreisstadt in der Diskussion steht, sondern die weit weniger einschneidende Verlegung der Bundesstraße 432. So stellen denn die Landesplaner befriedigt fest, dass die Linienführung der A 20 hier offensichtlich "weitgehend akzeptiert" werde. Ganz besonders im Fokus der Planer ist die geplante Travebrücke, die die A 20 über das ökologisch sensible Flusstal führen soll.

Erstmals zeigten die Planer vom Landesbetrieb Straßenbau Gerhard Diedrichs und Klaus-Ulrich Mackert den LN Entwürfe von der Brücke, die aber, so schränkte Diedrichs ein, vom Bund noch abgesegnet werden müssen.

Das wird für die Region Bad Segeberg ein Jahrhundertbauwerk werden: 240 Meter lang, 55 Meter breit mit vier Brückenabschnitten, eine so genannte "Vier-Felder-Brücke", soll den Autobahnverkehr über das sensible Travetal führen. Für die Entwurfsbearbeitung im Vorfeld des Planfeststellungsverfahrens gilt gerade dieser Bereich als Konfliktpunkt. Doch den Planern mache die Erholung der Natur nach dem Bau der Wakenitzbrücke Mut. Die von Naturschützern heftig kritisierte und mit allen juristischen Mitteln bekämpfte Querung ist für sie ein Vorzeigeobjekt. Dort fliege schon wieder der Eisvogel unten durch, erzählt Diedrichs.

Das Travetal bei Bad Segeberg - dort wurde schon mal der Otter gesehen - ist ebenfalls von hohem ökologischen Wert. Besonders an der Stelle, wo die Brücke die Trave quert. An höchster Stelle sei die "lichte Höhe" zwischen Brücke und Boden 14 Meter. Bis zur Oberkante der Fahrbahn seien es gar 20 Meter, erzählt Brückenexperte Mackert. Die Brücke sei auf westlicher Seite erheblich verlängert worden, um die durch die Weichsel-Eiszeit hervorgerufenen Torflinsen im Boden weitestgehend zu umgehen. Dort müssen die Widerlager der Brücke und der anschließende Damm sehr aufwändig mit tiefen Betonpfählen gegründet werden. Ursprünglich war auch überlegt worden, eine Drei-Felder-Brücke mit nur zwei Stützreihen über die Trave zu bauen. Aber die Brücke wäre dann rund 3,5 Millionen Euro teurer geworden, etwa 20 Prozent mehr Baustahl wäre notwendig gewesen. Das Bauwerk wäre dadurch noch klotziger geraten. Die Travebrücke werde vermutlich 23 Millionen Euro kosten. Auf den Naturraum sei besonders geachtet worden. Diedrichs: "Es gibt sehr hohe Forderungen seitens der Landespflege." So müsse der östliche Travehang vollkommen von Stützpfeilern freigehalten werden. Hier gebe es zahlreiche Rote-Liste-Arten, der Bereich sei für die Bauarbeiten tabu und dürfe nicht betreten werden.

Mit dem Beginn des Planfeststellungsverfahrens für diesen A-20-Abschnitt rechnet Diedrichs "nicht vor Mitte des Jahres." In dem Zusammenhang erklärte Diedrichs auch die Not-Durchfahrt am Widerlager des imposanten Brückenbauwerkes für die Feuerwehrfahrzeuge der nahen Kreisfeuerwehrzentrale. Da passe schon wegen der engen Kurvenradien keine Bundesstraße B 432 hindurch, erklärte er. Auch wenn sich hier viele eine Unterführung wünschten, wäre das ohne Riesenaufwand und zusätzliche ökologische Belastung für das Tal nicht möglich. Auch die Feuerwehr dürfe dort nur im Schritt-Tempo vorbei. Mit drei Metern Breite und 4,70 Meter Höhe sei das bestenfalls ein Wirtschaftsweg, der auch dem Wartungsteam zur Besichtigung der Brückenpfeiler dienen solle.
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