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Anwohner klagt über Inklusions-Projekt

Bild: Anwohner klagt über Inklusions-Projekt

Anton-Günther Lüken

Segeberger Zeitung, 15. September 2018
Högersdorf

Von Gerrit Sponholz
Högersdorf. Streit ist im Dorf ausgebrochen. Die Wohngruppe Högersdorf gGmbH ist seit 1985 Träger einer stationären Lebens- und Arbeitsgemeinschaft auf einem Resthof und breitet sich mit neuen Gebäuden und Zuwegungen immer weiter aus. Ein Anwohner ist sauer, sieht Vorschriften verletzt.

Traurig ist Anton-Günther Lüken (77). Seit rund 40 Jahren lebe und wohne er in dem Dorf. Ab 1977 habe er zehn Jahre lang die Gastwirtschaft „Landhaus Lüken“ an der Dorfstraße geführt, später sei er nebenan in sein Wohnhaus gezogen. Doch aus dem kleinen verträumten Ort und einem guten Miteinander sei ein Flecken geworden, in dem sich zum Missfallen vieler ein „Krake“ ausgebreitet habe. Er meint die benachbarte Wohngruppe Högersdorf, in der Menschen mit Behinderung leben und arbeiten. Lüken wendet sich nicht gegen das Projekt, fordert aber gegenseitige Rücksichtnahme und weniger ständigen Baulärm. Die Betreiber würden in dem reinen Wohngebiet und entgegen des Bebauungsplans neben seinem Haus sogar eine Halle errichten und eine viel genutzte und Högersdorfs einzige Ringstraße anlegen, die sein Wohnhaus einkessele.

Von den Behörden werde dies geduldet, weil soziale Einrichtungen offenbar Sonderrechte genießen würden. Obwohl, so Lüken, die der Wohngruppe angegliederte Garten- und Landschaftsbaufirma „Integrationsbetrieb DieLe gGmbH“ eigentlich ein profitorientiertes Unternehmen sei wie jedes andere. „Während für uns ’normale’ Bürger das Leben durch die selben Gesetze oft ungemein schwer, wenn nicht unmöglich gemacht wird“, beklagt Lüken. „Es wird mit zweierlei Maß gemessen.“

Bei den Betreibern des Sozialprojektes sei er auf taube Ohren gestoßen. Sie würden Fakten schaffen. Auch die Gemeindevertretung, der einer der beiden Geschäftsführer, Ulrich Jordan, jahrelang angehört hatte, habe mit den Schultern gezuckt. Baurecht sei keine Angelegenheit der Gemeinde. Enttäuscht zeigt sich Lüken auch darüber, dass Jordan ihm, als Lüken ihm einen Grundstücksstreifen verkauft habe, in die Hand versprochen habe, es würden nebenan nur Parkplätze gebaut. Nun stünde dort die Halle und werde die Ringstraße befestigt.

Die drei Geschäftsführer Ulrich Jordan, Frank Kunde und Heike Spahr, weisen die Vorwürfe zurück. Lüken selbst habe das kleine Grundstück vor fünf Jahren von sich aus angeboten. Es sei keineswegs versprochen worden, dort nur Parkplätze einzurichten. „Wir haben genug Parkplätze“, sagt Kunde. Die neue Halle sei zudem nur etwas größer als sein früherer Carport dort. Der Ringverkehr sei auch schon seit über zehn Jahren möglich, so Jordan. Bislang sei das Einvernehmen gut gewesen. „Wir haben ihm auch die Zufahrt zu seinem neuen Carport gebaut“, sagt Spahr. Die Zufahrt von der Dorfstraße werde gepflastert, damit es nicht mehr so staube. Die drei Geschäftsführer betonen, dass das Inklusionsprojekt gut etabliert sei im Dorf. In fünf Wohngebäuden lebten etwa 35 Menschen. „Wir wollen keinen Nachbarschaftsstreit.“

Lüken widerspricht den Schilderungen. „Vom Bau einer Halle war damals nie die Rede, und wenn ich das gewusst hätte, hätte ich dem Verkauf niemals zugestimmt.“ Der Ringverkehr sei neu. Außerdem „habe ich mir vom Kreisbauamt sagen lassen, dass eine Pflasterung der Straße wegen der Versiegelung des Erdreiches gar nicht zulässig ist.“

Die Gemeinde hat keine Probleme mit dem Inklusions-Projekt. Erst kürzlich hat ein Fachausschuss dem Antrag zugestimmt, dass auf dem Gelände zwei Häuser gebaut werden dürfen.

Der Kreisbaubehörde weist darauf hin, dass es sich um ein „allgemeines Wohngebiet“ handelt, erläutert Pressesprechein Sabrina Müller. „Neben Wohngebäuden sind auch der Versorgung des Gebietes dienende Läden sowie nicht störende Handwerksbetriebe und Anlagen für soziale, kulturelle, kirchliche, gesundheitliche und sportliche Zwecke zulässig.“ Die Zufahrt von der Dorfstraße sei baurechtlich erforderlich. Müller bestätigt, dass „auf Grund einer Beschwerde eines Anwohners ein bauordnungsrechtliches Verfahren anhängig ist“.

Diele lüken

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