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Überraschende Chef-Lösung für VJKA

50 Bewerbungen – aber Vorstand zog den amtierenden Verwaltungsleiter Holger Lück (51) vor

Segeberger Zeitung, 21.12.18 Von Gerrit Sponholz
Kreis Segeberg. Mit einer Überraschung endete die Suche nach einem Geschäftsführer für eine der größten Jugendeinrichtungen im Kreis Segeberg. Nicht einer der knapp 50 Bewerber aus zwei Ausschreibungsrunden wird den kreisnahen Verein für Jugend- und Kulturarbeit im Kreis Segeberg (VJKA) leiten. Stattdessen übernimmt Holger Lück (51), bislang Verwaltungsleiter und kommissarischer Geschäftsführer.

Er hatte sich nicht beworben, war dann aber vom VJKA-Vorstand gefragt worden und hatte nach längerer Bedenkzeit ja gesagt. Denn in dem halben Jahr der Vakanz habe das Führungsteam „hervorragend funktioniert“, erklärte Jens Lichte, Stadtvertreter aus Bad Segeberg und Vorstandsmitglied. „Wechsle niemals ein Siegerteam“, stimmte Vorstandskollege Claus Peter Dieck (Todesfelde) zu, der auch Kreispräsident ist.

Zwei Bewerberrunden hatte es zuvor gegeben. „Darunter war keiner, der tausendprozentig überzeugt hat“, sagte Dieck. In den vergangenen Monaten hätten Lück und die Teamleiter gemeinsam den VJKA geführt. „Da war ein Team gewachsen, hat sich weiterentwickelt.“ Das Team waren Lück als Verwaltungsleiter und kommissarischer Geschäftsführer sowie die Teamleiter für Kreismusikschule (Christine Braun), Jugendzeltplatz Wittenborn (Bente Wohler), Kulturakademie (Sabine Lück), Jugendakademie (Ali Evdedurmaz), Hauswirtschaft (Nicole Dose) und Finanzen (Janet Paffendorf).

Lichte sprach von einem Lernprozess im Vorstand, den Blick vielleicht nicht nach außen, sondern nach innen zu richten und die Teamarbeit zu betonen. „Brauchen wir noch einen Chef darüber?“, hätte sich der Vorstand gefragt. Nein, „denn es hat ja alles funktioniert wie es war.“ Das Problem: Lück hatte sich gar nicht für den Posten beworben, nur kommissarisch die Arbeit übernommen, nachdem der Vorgänger aus familiären Gründen nach Hamburg gewechselt war. Lück wurde gefragt, und stimmte nach längerer Überlegungszeit zu. Lück habe sich in den Gesprächen mit den Bewerbern immer sehr zurückgehalten, sagte Dieck. Die Teamleitungen, so Lichte, hätten die Entscheidung des Vorstands mit „viel Freude“ aufgenommen. „Die Mitarbeiter gehen zu hundert Prozent mit.“

Ein neuer Chef hätte sich erst einarbeiten müssen, auch Unruhe hereingebracht, sagte Dieck. Und dem VJKA steht eine große Baustelle ins Haus. 2020 wird die Jugendakademie saniert, wohl für ein halbes Jahr seinen Betrieb auslagern müssen.

Um Lück in seinem zweiten Amt als Verwaltungsleiter zu entlasten, soll diese Arbeit auf mehrere Schultern verteilt oder später doch noch eine neue Position für die Verwaltungsarbeit geschaffen werden, sagte Lichte.

Lück hatte sich zunächst nicht in der ersten Reihe gesehen. Es sei alles überraschend gekommen. Als Geschäftsführer wolle er derjenige sein, „der den Rahmen gibt.“ Die einzelnen Teams und Fachbereiche sollen kooperieren. So werde die nächste Klausurtagung nicht in der Jugendakademie, sondern auf dem Jugendzeltplatz abgehalten.

Lück arbeitet seit 2002 für den VJKA. Er ist Verwaltungsfachwirt, war zuvor für die Stadt Bad Segeberg tätig gewesen. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Högersdorf.

Mit Lück bricht die dritte große Phase der Jugend- und Kulturarbeit im Kreis Segeberg an. Wesentlich begründet hatte sie der langjährige Leiter Dieter Fiesinger, der auch den Umzug von der Mühle in die viel größere Jugendakademie vorangetrieben hatte. Danach waren drei Jahre mit Martin Karolczak gefolgt, der die Teamarbeit installiert, finanzielle Altlasten begradigt und die Arbeit neu sortiert hatte. Mit der nun gefunden Lösung startet das Projekt der kreativen Führungsarbeit im Team.
Der VJKA
Der VJKA war vor rund 21 Jahren gegründet worden, um die Aufgaben des Kreises für Jugend- und Kulturarbei t wahrzunehmen. Der Stammsitz ist die Jugendakadem ie in Bad Segeberg. Dort gab es 2018 rund 10 000 Seminargäste mit 30 000 Übernachtungen. Die Kreismusikschule unterrichtet 1800 Musikschüler. Auf dem Jugendzeltplatz Wittenborn am Mözener See wurden in der Saison von April bis Oktober 12 000 Übernachtungen gezählt: ein Rekord. Die Kulturakademie stellt aus und betreibt Werkstätten wie das Kunstatelier und die Remise in Bad Segeberg. Außerdem engagiert sich der VJKA in der offenen Schularbeit. 95 Kräfte sind fest angestellt, 17 mit Altverträgen sind vom Kreis abgeordnet. Hinzukommen rund 300 Freiberufler. 4,6 Millionen Euro setzt der VJKA pro Jahr um. 2,2 Millionen Euro zahlt der Kreis Zuschuss.

Jugendakademie, VJKA, Lück

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